Man kann auch Anzeichen aus dem Anwachsen und den Fortschritten der Philosophien und Wissenschaften entnehmen. Was nämlich auf die Natur gegründet ist, wächst und mehrt sich: was aber auf Vermutungen beruht, wechselt und nimmt nicht zu. Wenn daher jene Lehrmeinungen nicht gleich Pflanzen wären, die von ihren Wurzeln abgerissen worden sind, sondern mit dem Schoß der Natur verbunden geblieben und so von ihr ernährt würden, hätte sich nicht ereignet, was, wie wir sehen, sich bereits zweitausend Jahre lang zuträgt: daß nämlich die Wissenschaften in ihren eignen Spuren hängengeblieben sind und in fast demselben Zustand verharren, ohne einen nennenswerten Fortschritt gemacht zu haben: ja, daß sie bei ihrem ersten Begründer noch am meisten geblüht haben und dann nidergegangen sind. In den mechanischen Künsten aber, welche sich auf die Natur und das Licht der Erfahrung stützen, beobachten wir das Gegenteil; solange sie Gefallen finden, wachsen und mehren sie sich stetig wie von einem Geiste erfüllt; zunächst sind sie noch roh, dann bequemer, schließlich durchgestaltet und immer sich mehrend und vervielfältigend.
Francis Bacon: Novum Organum I (1620), 74. Aphorismus.
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