Der Grundfehler in fast allen Aussagen über das, was die Wissenschaft ausmacht, ist, dass man nur darüber spricht, was der Wissenschaftler tut. Man sagt etwa: Der Wissenschaftler tut nichts anderes, als das, was jeder Mensch im Alltag tut, nur systematischer. Oder: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind ein soziales Konstrukt. Dabei ist überhaupt nicht das, was der Wissenschaftler tut — schon gar nicht das, was er zu tun glaubt —, was die Wissenschaft charakterisiert. Den Satz des Thales halten wir heute für wahr, nicht, weil ein Herr Thales dieses oder jenes zu tun geglaubt hätte, sondern, weil dieser Satz seit über zweitausend Jahren unwidersprochen da steht, weil er sich auf konsistenter Weise in die ganze Mathematik eingliedern lässt, und weil die ganze Mathematik die solideste Erkenntnis ist, über die wir verfügen, nicht nur, weil Generation über Generation von Mathematikern die jeweils erreichten Kenntnissen akzeptiert haben, sondern vielmehr, weil wir auf der Mathematik die modernen Naturwissenschaften aufgebaut haben, die in den letzten zwei Jahrhunderten einen durschschlagenden Erfolg hatten und durch die technische Anwendung das Angesicht der Welt grundlegend verändert haben.
Deshalb sollten wir nicht darüber Streiten, was wir tun, wenn wir Wissenschaft betreiben. Denn dies ist Ansichtsache, wir werden in Zukunft meinen, wir hätten heute etwas anderes gemacht, als das, was wir heute zu tun glauben. Außerdem brauchen wir nicht alle dasselbe darüber zu denken. Es ist gut, dass verschiedene Weltanschauungen in der Wissenschaft vertreten sind. Nicht die Ideen sind die wissenschaftliche Angelegenheit, sondern das Ergebnis, das ganze Wissen.
Siehe auch: Kriterium der Wissenschaft.
Kommentar hinterlassen