Was ist das, der Text? Das Wort Text erhält eine Vielfalt von Bedeutungen. Seit jeher ist von dem Text eines Liedes oder eines Theaterstückes die Rede als dessen rein sprachlichen Teilaspekt. Man spricht vom Text auch als dem Gegenstand der Philologie: einem überlieferten Schriftstück. Die Linguistik verallgemeinert diesen Begriff und fasst den Text überhaupt als sprachliche Produktion auf. Die Informatik stellt Textverarbeitungsprogramme als elektronische Schreibmaschinen zur Verfügung und definiert den so genannten Hypertext als ein mit gewissen Navigationsfunktionen versehenes elektronisches Schriftstück. In Recht, Religion und Geisteswissenschaften stellt man den Gegensatz zwischen dem Text und dessen Geist fest.
Da drängt sich die Frage auf, was eigentlich ein Text ist. Lässt sich der Text auf fundamentalwissenschaftlicher Weise definieren? Gibt es etwas mit gewissen, genau spezifizierten Merkmalen, das wir den Text überhaupt nennen könnten? Ist der Text real? Mit anderen Worten: Gibt es in der Welt Texte, so wie es auch Bäume und Autos gibt? Oder ist das Wort Text ein zwar teilweise nützlicher aber nicht objektiv, einheitlich und eindeutig zu bestimmender Sammelbegriff? Ich stelle die These auf: Ja, die Texte gibt es, und zwar nicht in uns, sondern außer uns. Der Text ist nicht nur wirklich, sondern sogar Grundlage aller anderen Wirklichkeit.
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