Vergleichen wir nun den Text, so wie wir ihn definiert haben, mit dem mathematischen Begriff der Relation. Wenn man einen Text so spezifiziert:
Müller : Familie { ~Elternteil Anna : Frau; ~Kind Max : Mann }
hat man nicht nur Relationen aufgestellt (etwa zwischen Müller und Familie, zwischen Anna und Frau), sondern auch Relationen zwischen Relationen, etwa zwischen der Familie-Müller und der Frau-Anna in der Rolle des Elternteiles. Da haben wir es also nicht mit einer Relation zwischen Grundmengen zu tun, sondern mit einer Beziehung zweiten Grades zwischen Relationen. Wenn also eine Relation als R(a,b) definiert wird (Beziehung zweier), so ist ein Text T(e,ü,r,t) eine Beziehung vierer, wobei e Einheit, ü Übergeordnete Einheit, r Rolle und t Typ Texte sind, die nicht beliebig sind, sondern unbedingt wiederum in Relation stehen: R(üt,r), R(rt,t), denn die Rolle muss dem Typ des übergeordneten Texts untergeordnet sein, und der Typ muss dem Typ der Rolle untergeordnet sein.
Man könnte also sagen: Der Text ist eine Relation zweiten Grades.
Aber gehen wir einen Schritt weiter. Befreien wir uns vom historisch bedingten Zufall, von der Tatsache, dass die Mathematik schon lange die Relation aber noch nicht den Text erobert hat, und fragen uns: Warum den Text als Relation zweiten Grades definieren? Warum nicht vom Text ausgehen, und schauen, wie die Relation als Spezialfall eines Textes definiert werden kann?
In der Tat lässt sich die Relation als trivialen Fall des Textes ansehen. Wir definieren einen elementaren Text mit dem Namen Texteinheit und der Form Texteinheit { ~Texteinheit Texteinheit : Texteinheit }. Er bedeutet den Grundtext, das Elementarteilchen, aus dem alle anderen Texten bestehen, indem wir jeden anderen Grundtext so definieren Texteinheit { ~Texteinheit Text : Texteinheit }. Nun lässt sich eine Relation R(a,b) folgendermaßen ausdrücken: a : Texteinheit { ~Texteinheit b : Texteinheit }.
Mit anderen Worten: Die Relation ist der Trivialtext zwischen 2 Texteinheiten und der Texteinheit.
Diese zweite Definition ist deswegen vorzuziehen, weil sie tiefer eindringt: Relationen können nur über Worte spezifiziert werden, und Worte sind nun mal Texteinheiten. Eine Mathematik, die mit Relationen anfängt, hat ein Grundlagenproblem, denn was ist eigentlich eine Relation? Gibt es sie in der Welt oder nur in unseren Köpfen? Eine Mathematik hingegen, die mit Texten anfängt, hat dieses Problem gar nicht, da der Mensch bekanntlich ein sprachfähiges Wesen ist, und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Mathematik die von Menschen hervorgebrachte Texte untersucht und deren Regelmäßigkeiten ausmacht.
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