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Verlust der Verständlichkeit: Überschriften

Aufschlussreich ist, die Entwicklung der Textgliederung in den Sach- und Ideenbüchern der letzten Jahrhunderten zu beobachten. Während die Textstrukturen stehen geblieben sind — denn seit jeher strukturiert man Bücher mittels einer Hierarchie von Überschriften — zeigen die Überschriften eine deutliche Neigung dazu, kürzer und symbolischer zu werden. So sind die Titel der Bücher in der Aufklärung häufig ausformulierte Sätze, die den Inhalt beschreiben, und man kann sich einen guten Eindruck vom Text verschaffen, indem man die aussagekräftigen Überschriften aufmerksam liest. Im Gegensatz dazu kann man sich aus einem heutigen Buchtitel in der Regel überhaupt keine angemessene Vorstellung vom Inhalt machen, wenn man es nicht im Voraus schon wusste, und das Inhaltsverzeichnis lässt viel zu viel unterschiedliche, ja entgegengesetzte Auslegungen zu.

Mag sein, dass dies der Einfluss einer falsch verstandenen Wissenschaft ist. Denn in der Wissenschaft geht es eben um den symbolischen Gehalt und nicht um Interpretation. Aber in allen Büchern, in denen Vorstellungen zur Sprache gebracht werden (schon in der wissenschaftlichen Aufklärung), führt diese Versymbolisierung nur zur Abstraktion und Entkräftung der Ideen.

Mag sein, dass dies auch der Einfluss des Marketings ist, denn ein Titel, der viel Raum zur Spekulation bietet, lässt sich bestimmt viel besser verkaufen, weil jeder Käufer darin seine eigene Träume hineinbringt. Wobei hier Marketing nicht nur im Sinne von Buch-Markteting zu verstehen ist, sondern auch als Profilierungs-Marketing, die Bemühung um den Erfolg des Schriftstellers und des Akademikers in seinem beruflichen Umfeld.

Mag sein, dass dies ein Ausdruck der generellen geistigen Verarmung der Gegenwart ist. Denn wir denken heute nur so: in Stichwörtern. Das heißt, wir denken heute nicht mehr, wir jonglieren nur mit nichtssagenden aber als aufregend empfundenen Worten.

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