Die allgemeine Form des Textes lässt sich so ausdrücken:
=N
{
=N1 ~R1 :T1
=N2 ~R2 :T2
…
=Nn ~Rn :Tn
}
Hier steht N für Namen, R für Rolle und T für Typ. Der obige Ausdruck definiert den Text mit dem Namen N und besagt, dass er aus den Texten N1, N2 bis Nn besteht. Der Text Ni ist vom Typ Ti und spielt, als Bestandteil von N, die Rolle Ri, wobei Ri und Ti wiederum Namen von anderen Texten sind.
Ein Text wird definiert in Bezug auf andere Texte. Es gibt also eine einzige Informationsstruktur. In einer Angabe wie:
=A
{
=B ~C :D
=E ~F :B
}
sind A, B, C, D, E und F Texte. Das Präfix “=” steht für Namen, “~” für Rolle, und “:” für Typ, die Klammern “{” und “}” schließen eine untergeordnete Ebene ein. Der Text A besteht aus dem Text B und dem Text E. Der Text B spielt in A die Rolle C. Der Text E ist vom Typ B, das heißt, derselbe Text B kommt in der Definition von A zweimal vor, einmal als Bestandteil von A, einmal als Typ von E, einem anderen Bestandteil von A.
So drücken wir beispielsweise den Stammbaum einer Familie Müller aus:
=Müller :Familie
{
~Elternteil =Anna :Frau
~Elternteil =Martin :Mann
~Kind =Max :Mann
~Kind =Mona :Frau
}
Grundlage für die obige Definition sind etwa diese Angaben:
=Mensch
=Mann :Mensch
=Frau :Mensch
=Familie
{
=Elternteil :Mensch
=Kind :Mensch
}
So weit zur Einleitung. Wenden wir uns nun der formalen Definition eines Textes zu. Sie basiert auf dieser einzigen Formel:
(Text, übergeordneter Text, Rolle, Typ)
Ein Text wird spezifiziert, indem man all seinen Über- und Untergeordneten Texten wiederum spezifiziert.
Am Anfang einer Textdefinition steht grundsätzlich ein Ausdruck mit der Form:
(T, T, T, T)
Es muss in jeder Textspezifikation immer mindestens einen völlig selbstbezogenen Text geben, der sein eigener, einziger Bestandteil ist, sich selbst als Rolle und auch sich selbst als Typ hat. Sonst wäre die Spezifikation unendlich oder inkonsistent.
Die formale Definition verdeutlicht, dass ein Text im Allgemeinen keine Hierarchie ist, weil ein bestimmter Knoten mehrere übergeordnete Knoten haben, mehrere Rollen spielen und von mehreren Typen sein kann.
Die formale Definition ergibt zugleich einen Umsetzungshinweis für Textstrukturen. Man kann einen Text in einem Softwaresystem als numerischen vierdimensionalen Vektor implementieren, etwa so:
T[i] = [ID, ID_Vater, ID_Rolle, ID_Typ]
So kann man zum Beispiel die Struktur der Familie Müller so repräsentieren (Bemerkungen in Klammern ausgeschlossen):
ID Vater Rolle Typ
1 1 1 1 (Mensch)
2 2 2 1 (Mann)
3 3 3 1 (Frau)
4 4 4 4 (Familie)
5 4 5 1 (Elternteil)
6 4 6 1 (Kind)
7 7 7 4 (Familie Müller)
8 7 5 3 (Anna Müller)
9 7 5 2 (Martin Müller)
10 7 6 2 (Max Müller)
11 7 6 3 (Mona Müller)
Dem Leser ist vielleicht aufgefallen, dass in der formalen Definition die Texte keine Namen mehr tragen. Zunächst haben wir eine Textsprache benutzt, um die Texte auszudrücken. Diese Textsprache basiert auf den Zeichen “{”, “}”, “=”, “:”, “~” und den Namen als Buchstabenfolgen, die einen Text eindeutig identifizieren. Die Namen an sich sind also Bestandteil der Textsprache, nicht der Texte selbst.
Siehe auch: Objekt Text, Der Universaltext, Die Erfahrung des Textes, Symbol und Text, Das textorientierte Paradigma, Text als Universalsprache, Spezifikation und Implementation, Sprache und Text, Vergleich Text / aktueller Software, Text und Kodierung, Vergleich Text / Relation, Das Relationale Modell als Vorbild.
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