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Gesprochene vs. Geschriebene Sprache

Mich wundert immer wieder, wie schlecht die sogenannten Wissenschaftler mit den Grundbegriffen ihrer Wissenschaft umgehen. Heute bin ich noch auf einen angeblich wissenschaftlichen Aufsatz gestoßen, der sich mit den Definitionen der Grundbegiffe schwer macht. Diesmal wird der Text ganz bewusst als verschriftlichte Sprache definiert. Die gesprochene Sprache wäre kein Text sondern noch-nicht-verschriftlicher-Rede, noch-nicht-Text. Unter den Sprachwissenschaftlern herrscht Verwirrung: Gesprochene und geschriebene Sprache fassen sie als zwei Spracharten auf, die grundsätzlich verschiedene Merkmale aufweisen. Die gesprochene Sprache wäre spontan erzeugt, umgangsprachlich, würde einen einfacherer Satzbau benutzen, wäre vergänglich. Die geschriebene wäre gehobene, dichte, komplexe, überlegte. Ich kann kaum glauben, dass diese Auffassung so verbreitet unter den Sprachwissenschaftlern ist. Ob man nicht dazu gekommen ist, der Sprachakt als ein übergeordnetes, symbolisches Phänomen zu begreiffen, das man sowohl verlautet als verschriftet darstellen kann? Die Sprache als langue —im Gegensatz zu parole— fassen sie ja auch als ideel. Der Text lässt sich dann als symbolisch, als rein sprachliche Äußerung auffassen. Man kann also einen Text weder sehen noch hören. Was man sieht ist dessen verschriftliche Darstellung, was man hört dessen verlautete Darstellung. Umgangsprache ist die spontane, lockere Sprache, die man in dem Umgang mit Vertrauten benutzt. Sie weißt bestimmte Merkmale auf: sie ist spontan, sie benutzt einfache syntaktische Strukturen, usw. Das aber sind Merkmale, die unabhängig davon sind, ob der sprachliche Umgang in verlauteter, verschrifteter oder gar gemischter Form stattfindet.

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