Linguistische Analyse eines Textes
Ein generischer Text ist, wie oben gesehen, ein symbolischer Ausdruck, d. h. ein Ausdruck, in dem der Text im Ganzen in ihre linguistische Bestandteile analysiert wird. Die folgenden Ebenen und Unterebenen lassen sich in der Analyse eines jeden Textes ausmachen:
- Die Textgliederung (vom ganzen Text bis zu den Absätzen)
- Die Ebenen der Gliederung
- Der Textfluss (bestehend aus einzelnen Sätzen)
- Syntaxanalyse (bis zu den Wörtern)
- Morphologische Analyse (Bestandteile der Wörter)
- Analyse der formalen Bedeutung des Satzes
- Syntaxanalyse (bis zu den Wörtern)
Zusammenfassend: Eine Textanalyse besteht aus dreierlei Symbolen: die Symbole, 1. die aus der Gliederung des Textes, 2. die aus der morphosyntaktischen Analyse der Sätze, und 3. die aus der formalen Analyse der Sätze stammen.
Formale Analyse eines Satzes
Die formale Analyse eines Satzes legt die bedeutungsmäßigen formalen Beziehungen frei, die es zwischen den morphosyntaktischen Einheiten gibt. Beispiel: Mit dem Satz „ich bin müde“ schreibt sich selbst jemand etwas zu, das er mit dem Symbol „müde sein“ ausdrückt. Wir nennen dieses ein morphosyntaktisches Symbol, weil es sowohl Morphologie (zwei lexikalische Elemente: das Adjektiv „müde“ und das Verb „sein“) als auch Syntax (das Adjektiv wird hier syntaktisch mit dem Verb verknüpft) betrifft. Mit dieser Analyse ist keineswegs von irgendwelcher angeblichen Bedeutung des Satzes die Rede, denn, was „sein“ oder „müde“ überhaupt bedeuten, wer der jemand ist, usw., wird nicht aufgeklärt. Die Symbole der formalen Analyse sind dieselben der morphosyntaktischen Analyse, nur anders strukturiert.
In einer beliebigen Analyse kommen zweierlei Symbole vor. Die einen lösen sich vollständig in andere Symbole auf, die anderen nicht. Wir nennen sie die Zwischen- bzw. die Terminalsymbole. (Wenn man die Analyse als eine Baumstruktur ansieht, sind die Terminalsymbole die so genannten Blätter.)
Definition: Sprache eines generischen Textes
Die Sprache eines generischen Textes ist die Gesamtheit der Terminalsymbole seiner formalen Analyse.
Die Sprache eines generischen Textes ist also die Menge der morphosyntaktischen Symbole, die formalbedeutungsmäßig Terminal sind, also diejenigen, die in einem partikulären Text sinnmäßig beladen werden können.
Beispiel: Was wäre die Sprache des vorliegenden Postings? Grob (und falsch) gesagt: Die Menge der Wörter, die hier vorkommen, also etwa { formal, Analyse, Satz, Definition, Sprache, …}. Etwas genauer: Die Menge nicht der Wörter allein, sondern der Wörter zusammen mit den für die Bedeutung erheblichen syntaktischen Aspekten, also etwa { formale Analyse, formal, Analyse, …}. Das Symbol „formale Analyse“ kommt deshalb zusätzlich vor, weil es in diesem Posting einen abgesonderten Begriff darstellt, der mehr ist als nur eine Analyse, die formal ist.
Etwas ungenau ausgedrückt: Diese morphosyntaktischen Einheiten erkennt man daran, dass sie mehrmals im Text mit derselben Bedeutung vorkommen, im Gegensatz zum Beispiel zu einem ganzen Satz, der jedes Mal einzigartig ist. (Wenn aber der ganze Satz im Text mehrmals vorkommen würde, beispielsweise im Fall einer Redewendung, so würde der Satz auch Teil der Sprache des Textes sein!!)
Anmerkungen
Diese Definition ist objektiv: Jeder Text hat genau eine Sprache, die in einer festen Menge von morphosyntaktischen Symbolen besteht. Diese Definition hat nichts zu tun mit einem Sinn, der mit der Sprache gemeint wäre.
Mit dieser strengen Definition möchten wir keinen weltfremden Begriff schaffen, der mit der vorwissenschaftlichen, üblichen Rede der Sprache nichts zu tun hat. Ganz im Gegenteil suchen wir nach einem festen Begriff, der einmal die wissenschaftliche Untersuchung all jener Erscheinungen unterstützen wird. Mit unserem Begriff der Sprache kann man durchaus von der Sprache Deutsch, von der Sprache der Physik, von der Frankfurter Sprache, von der Sprache Goethes, von einer gehobenen Sprache und so fort reden. Man braucht nur ausdrücklich festzumachen, von welcher Textsammlung jeweils die Rede ist.
„Was ist nun mit dem Sinn der Sprache? Jeder weißt doch, dass eine gewisse Sprache immer mit gewissem Inhalt einhergeht!“ Ja, sicher! Nur verlassen wir hier das rein Linguistische und dringen in andere Sphären ein! Die Sprache der Physik lässt sich nämlich nur im Rahmen dieser Wissenschaft untersuchen, die Frankfurter Sprache nur in einem gesellschaftlichen-kulturellen Zusammenhang, die Sprache Goethes ist eine literarisch-kulturelle Angelegenheit, usw. Zu solchen Studien müssen ganz andere Voraussetzungen und Mittel als die der fundamentalen Linguistik her!
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