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Philosophische Ideen verstehen und kritisieren

Dass der Satz des Widerspruchs nur für die Sprache und nicht für die Ideen gilt (s. Post Wahrheit der Sprache vs. der Ideen), ist eine folgenreiche These.
Damit wird spätestens jetzt deutlich, dass es zwecklos ist, ein philosophisches Werk zu kritisieren. Hier eine Lücke, gar einen Widerspruch in der Argumentation, da einen unzureichend bestimmten Begriff etc. zu finden, ist etwas, das es ausschließlich mit Formalien zu tun hat. Von einer sprachlichen Formel kann man natürlich logische Konsistenz verlangen. Von einer Idee nicht, und zwar deshalb, weil dies schlicht unmöglich ist. Wir können uns klar mit einer solchen Spielerei unterhalten, doch dadurch wird die philosophische Idee als solche überhaupt nicht berührt, sondern ignoriert.
Interessant ist auch die Auswirkung der These auf das Verstehen. Denn mit ihr wird offenkundig, dass eine philosophische Idee zu verstehen, nur darin bestehen kann, sie als wahr aufzufassen. Denn eine kritische Stellung ist unbedingt auch eine kreative: Eine Idee A für verkehrt zu halten, setzt eine Idee B voraus, die auf A Bezug nimmt und für falsch erklärt. Die Bezugnahme kann aber nur als Interpretation erfolgen, also ist B unbedingt eine kreative Idee. Eine Idee A für wahr zu halten, setzt hingegen gar keine B voraus.
Zusammenfassend also lassen sich die philosophischen Werke nur dadurch verstehen, dass man ihre Wahrheit nachvollzieht. Keine Kritik oder Ablehnung wird je Verständnis des Werks bezeugen können, da dies kreative Tätigkeiten sind, die das Werk selbst nicht anfassen, sondern nur bestenfalls neben ihm etwas Neues hinzufügen.

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