In der Sprache selbst gibt es eine Wahrheit, allerdings eine ohne einen Sinn.
Damit meinen wir nicht, man könne Sprache nicht verstehen. Natürlich kann man Sprache verstehen, sicher ergibt sie Sinn, nur: Das macht die ideenmäßige, nicht die sprachliche Wahrheit aus. Die Wahrheit der Sprache können wir Menschen nur dadurch feststellen, dass wir sie erfolgreich einsetzen. Sprache ist insofern wahr, als sie funktioniert.
Gibt es nun Belege für diese These? Ja. Schauen wir uns die Wissenschaft mal an. Wo gibt es da denn Fortschritt? Etwa: bei der Physik. Und: wie diskutiert man innerhalb der Physik, wie akzeptiert man eine neue Theorie? Da geht es nicht darum, eine Theorie zu verstehen, sondern: sie muss erfolgreich sein. Dass sie zunächst dem Einzelnen mehr oder minder glaubwürdig erscheint, spielt im physikwissenschaftlichen Unternehmen keine Rolle. Die Theorie muss Tatsachen erklären, oder andere, gut gesicherte Theorien stützen, usw. Wo gibt es hingegen kaum Fortschritt? Etwa: bei den Geisteswissenschaften. Hier versucht man, vor allem alles zu verstehen. Hier spielt der Sinn eine große Rolle. Gerade das hat zur Folge, dass keine Einheit herrscht. Die Sprache der Geisteswissenschaften ist der sprachlichen Wahrheit noch weit entfernt. Und die wissenschaftliche Wahrheit ist eben allein die sprachliche.
Eine Randbemerkung: Der Physiker, wie der Geisteswissenschaftler auch, versucht eventuell die Theorien zu verstehen. Menschen gehen nun mal mit der Sprache so um. Und das ist auch gut so. Das ist aber eine rein subjektive (wenn man will: kulturelle) Angelegenheit. Diese Tatsache muss nicht darüber hinweg täuschen, dass der wissenschaftliche Fortschritt einer Theorie nicht darin besteht, sinnmäßig für wahr gehalten zu werden, sondern, im sprachlichen Ganzen der wissenschaftlichen Kenntnisse erfolgreich (d. h. konsequent und fruchtbar) integriert worden zu sein.
Noch eine Bemerkung: Wenn man geglaubt hat, den Unterschied zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften darin zu sehen, dass die ersten das Erklären und die zweiten das Verstehen suchten, hat man die tatsächliche Arbeit der Wissenschaftler sehr richtig gedeutet. Man hat nur daraus die falsche Folgerung gezogen. Denn es stimmt zwar, dass die Geisteswissenschaftler dazu neigen, die Theorien nach deren Sinn zu beurteilen, doch gerade diese Neigung gilt es in der Wissenschaft auszutilgen.
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