Viele Ansätze, die darauf zielen, den “richtigen Weg” für die Wissenschaft zu finden, Wahrheit von Irrtum, Sein von Schein zu unterscheiden, sind deshalb völlig unbrauchbar, weil sie von einer statischen Wahrheitsauffassung ausgehen. Sie sagen: Unter diesen oder jenen Umständen kommen wir zur Gewissheit über dieses und jenes. Das halte ich für grundfalsch, denn die Wahrheit kann streng genommen nur als Ideal, das heißt etwas erstrebenswertes, das dem Gang eine Ausrichtung gibt und selbst nie endgültig erreicht werden kann, aufgefasst werden. Es gibt keine Erkenntnis, die in der Wissenschaftsgeschichte ein für allemal stünde, schon gar nicht das Wissen zu einem bestimmten Zeitpunkt im Ganzen. Die einzig mögliche wissenschaftliche Auffassung von Wahrheit sieht für die Wissenschaft allein die Möglichkeit vor, etwas nicht als “wahr“, sondern als “besser” zu bezeichnen. Was man warum für besser hält, lässt sich selbst auch nicht ein für allemal festmachen, sondern gehört auch zum wissenschaftlichen Korpus. Jeder Fall, jede Entscheidung muss ausdrücklich, formal und öffentlich von der wissenschaftlichen Gemeinschaft sanktioniert und im Korpus festgehalten werden. Die Wissenschaft gibt nicht deshalb Sicherheit, weil sie alles weiß, sondern weil sie selbstkritisch und lernfähig ist. Das wissenschaftliche Wissen ist nicht “wahr”, aber — in seiner Art — das beste, das wir haben.
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