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Philosophiewissenschaft und Ideen

Einerseits bestehen wir auf die grundsätzliche Trennung von Ideen und Text und behaupten, nur der Text lasse sich wissenschaftlich sichern und die Ideen seien von der Wissenschaft vollständig auszuschließen. Andererseits fassen wir die Philosophie als Beschäftigung mit Ideen auf und streben eine Philosophiewissenschaft an. Sind wir denn hier in ein Widerspruch geraten? Wie kann es überhaupt eine Wissenschaft von (den philosophischen) Ideen geben?

Die Philosophiewissenschaft ist eine Wissenschaft, deren Untersuchungsobjekt Ideen sind. Dabei handelt es sich nicht um Ideen, die die Wissenschaftler selbst haben — das wäre eine Unmöglichkeit –, sondern um Ideen, die es in der Geschichte tatsächlich gegeben hat, nämlich um Ideen von bestimmten Einzelpersonen, den Philosophen, jeweils zu einer Zeit und an einem Ort. Die wissenschaftliche Tätigkeit besteht da nicht darin, die Ideen innerlich “nachzuvollziehen” — was die Wissenschaft grundsätzlich nicht leisten kann –, sondern darin, sie durch die von uns avisierte Ideenanalyse zu spezifizieren. Salopp ausgedrückt führt die Wissenschaft nicht unmittelbar zur “richtigen Intuition” jener Ideen, sondern vermeidet nur allzu großen Interpretationsfehler. Dadurch, dass einige Merkmale der Ideen klar und deutlich ausgemacht werden, kann derjenige, der solche Ideen nachzuvollziehen versucht, einige Irrwege vermeiden.

Das hat aber nicht zur Folge, dass die Philosophiewissenschaft eine “schwache” Wissenschaft werden muß. Ob sie schwach oder stark wird, hängt nur davon ab, wie weit sie mit der Merkmalbestimmung kommt, wie ausführlich und wie tiefgründig ihre Analyse ist. Grundsätzlich unterscheidet sich das überhaupt nicht von der Arbeit, die die Physik für das Verständnis der physischen Welt leistet: Sie äußert bestimmte Verhältnisse, Wesenheiten (was ist wesentlich “Energie”, oder “Kraft”, gar “Materie”?) sind nicht ihr Geschäft.

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