Eine Sprache besteht — fundamentallinguistisch betrachtet — aus einem Symbolbestand (Lexik) samt symbolischen Verbindungsmöglichkeiten (Grammatik). Für die Gesamtheit der bereits existierenden Texte, die eine Sprache einsetzen, stellt die Sprache eine mehr oder minder klar begrenzte architektonische Schicht dar: Die Struktur des Korpus ist so, dass nur bestimmte Symbole vorkommen (Lexik) und dass die vorkommenden Symbole nicht beliebig frei, sondern nach bestimmten Regeln verknüpft werden (Grammatik). Für die Textproduktion stellt eine Sprache ein Textinstrument dar, sie ist ein Werkzeug zur Herstellung von Texten. Indem man wenige Symbole mit wenigen Verknüpfungen zusammenstellt, bringt man durch die im Voraus bestehende Ladung der eingesetzten Sprache im Endeffekt einen enormen Text hervor, der aus vielen Symbolen und vielen Verknüpfungen besteht. Wie jedes andere Werkzeug auch funktioniert die Sprache so: Indem sie die Freiheit verengt, bringt sie herkömmliche Ergebnisse mit geringem Einsatz hervor. So wie jeder mit einem PKW in kürzer Zeit Entfernungen zurücklegen kann, an die gehend nicht zu denken wäre, indem man auf die Freiheit des Gehenden verzichten, den Weg selbst zu bestimmen, und sich auf Straßen und Autobahnen beschränkt, so drückt auch die Sprache symbolisch enorm dichte Aussagen dadurch aus, dass man auf die völlige symbolische Freiheit verzichtet und allein über im Voraus bestehenden Bahnen verkehrt. Die Sprache ist also keine grundsätzliche Voraussetzung für die Textproduktion, genauso wie das Flugzeug und das Auto keine Voraussetzung für die Fortbewegung sind, sondern ein Mittel dazu. Und wie die Fortbewegungsmitteln auch ist die Sprache eine technische Errungenschaft, deren Entwicklung der Mensch nicht als zufällige Erscheinung hinnehmen, sondern selbst in die Hand nehmen soll.
Siehe auch: Programmiersprache als Textinstrument, Sprache und Text.
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