Zum Inhalt gehen

Textorientierte Softwareentwicklung

Die Textorientierung lässt sich auf allerlei Software anwenden, auch auf die Softwaresysteme, durch die Software entwickelt wird. In einem textorientierten Entwicklungssystem gibt es einen zentralen Textserver, in dem von Quellcode, Entwurfsdokumenten und Anforderungsspezifikationen bis hin zu den Bug-Tracking-Tickets über sämtliche die Software betreffende Kommunikation verwaltet wird.

Der Textauszugsdienst liefert bei Bedarf Ansichten, in denen die Zusammenhänge zwischen beliebigen Elementen, von E-Mail-Austausch bis Quellcode, von Pflichtenheft bis Designentscheidung, nachzuvollziehen ist. Der lexikalische Textdienst ermöglicht nicht nur die begriffliche Navigation durch das ganze Textkorpus in Form von Wörterbüchern und Konkordanzen, sondern unterstützt mehrere Namenssysteme und ermöglicht es, jederzeit lexikalische Änderungen (lexikalische Umbenennungen, Spaltungen, Vereinigungen) vorzunehmen.

Auch der Quellcode ändert sich durch die Textorientierung vollständig, denn er besteht nicht mehr aus getrennten Dateien, jeweils mit einer Zeichenkette, die vom Compiler einzeln übersetzt wird, sondern der ganze geparsete Quelltext wird in den zentralen Universaltext abgelegt und daraus vom Compiler abgefragt. Das ermöglicht die Befreiung von der in einzelnen Dateien festgeschriebenen Kodierung, in dem Sinne, dass der Quelltext in verschiedenen Textauszügen und unter verschiedenen Namenssystemen angezeigt und bearbeitet werden kann. Das eröffnet aber auch ganz neue Möglichkeiten der Quellcode-Umschreibung, durch die selbstständige Schicht des Quelltextes, die zwischen Spezifikation und Implementation liegt.

Kommentar hinterlassen

Sie müssen sich anmelden, um einen Kommentar zu hinterlassen.