Der alte Menschheitstraum der Einheit aller Wissenschaften lässt sich durch ein stoffliches, formales, einheitliches wissenschaftliches Korpus verwirklichen. Wohlgemerkt ist hier weder von der gesellschaftlichen Organisation “Wissenschaft” noch von wissenschaftlichen Ideen die Rede. Dass die Wissenschaftler sich nach “Disziplinen” gruppieren, womit sie neben Erkenntnissen auch Mentalität, Visionen — und Irrtümer — miteinander teilen, ist nützlich und soll so bleiben, es soll auch keine “Grunddisziplin” geben, auf der alle anderen basieren. Nur sollen diese Einzeldisziplinen als praktische Mitteln angesehen werden, durch die sich der wissenschaftliche Betrieb organisiert, und von den von ihnen erzielten Erkenntnissen sauber getrennt werden. Diese Ergebnisse sollen in das wissenschaftliche Korpus einfließen, und zwar alle Ergebnisse von allen Disziplinen in ein und dasselbe Korpus. Dadurch wird erstmal die bloß formale Einheit der Wissenschaften erreicht. Die inhaltliche Einheit kann dann nach und nach vertieft werden, indem eine wissenschaftliche Arbeit über das Korpus verrichtet wird, die anfangs getrennt liegende Korpusbereiche miteinander verknüpft. Es handelt sich um die organonische Arbeit der begrifflichen und textstrukturellen Rationalisierung, ein fortwährender Prozess ohne ein endgültiges Ende.
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