Ein textorientiertes Betriebssystem möchten wir uns nun ausmalen. Den Kern bildet eine Textengine, die einen Universaltext verwaltet: in einem einzigen Text stehen alle installierten Softwareeinheiten und alle gespeicherten Informationen zur Verfügung. Die Textengine bietet Dienste zur Textauswertung: Navigation (Verweise verfolgen), Verlinkung (Verweise setzen), Auszugerstellung (Text abfragen), lexikalischen Analyse (Wörterbuch; Konkordanz). Der Benutzer kann jederzeit neue Texteinheiten händisch definieren und dabei die bereits existierenden (inkl.Softwareeinheiten) verlinken.
Da die Textdienste zentral sind, bilden alle im System gespeicherten Informationen eine Einheit. Wenn man beispielsweise über einen Drittanbieter einen literarischen oder historischen Text bezogen hat, kann man ihn genauso auswerten, wie die selbst verfassten Texte auch. Und wenn man Wörterbücher wie den Grimm oder den Duden importiert hat, stehen ihre Informationen in jeder lexikalischen Abfrage zur Verfügung. Ganz anders als heute, wo man mit einem Textkorpus oder einem Wörterbuch auch eine davon unzertrennbare Anwendung mitinstalliert, lässt sich in ein textorientiertes System der Inhalt importieren, der perfekt mit dem bereits Bestehenden integriert wird. Wenn ich den Grimm installiere, dann installiere ich nicht eine Anwendung, die den Grimm zeigt, sondern importiere ich den Text des Grimms in das zentrale Wörterbuch (genauer gesagt in den zentralen Universaltext). Und ich kann unabhängig davon eine Anwendung kaufen, die eine Benutzeroberfläche zum Wörterbuch bereitstellt, diese kann ich aber für alle Wörterbücher, die in meinem System gespeichert sind, auch die von mir gepflegten, benutzen.
Kommentar hinterlassen