So wahr es ist, dass es keine philosophische Wissenschaft geben kann, so wahr ist es auch, dass es die kulturelle Realität der Philosophiegeschichte gibt. Es gibt in der Geschichte der Menschheit in vielen Kulturen Denker, die große Ideen hervorgebracht haben. Das ist ein Kulturgut ersten Ranges, das zu pflegen und getreu zu überliefern gilt. Die Philosophiewissenschaft ist eine Kulturwissenschaft, deren Untersuchungsfeld die historisch hervorragenden persönlichen Ideen aller Kulturen und aller Zeiten ist. Sie will keineswegs selbst “Philosophie” hervorbringen, sondern das bereits Hervorgebrachte freilegen. Ihr Zweck ist die wissenschaftliche Erschließung der philosophischen Werke. Ihre gesellschaftliche Wirkung wird sein, das Verständnis dieser Werke in der Gesellschaft zu verbreiten und vertiefen. Sie wird es auch ermöglichen, die von den Philosophen erhaschten Einsichten in die Wissenschaft und Kultur einfließen zu lassen.
Die Philosophiewissenschaft wird — sollte sie entstehen — zu einer Neuorganisierung des philosophischen Faches an den Universitäten führen, die bei der Anwendung die Identitätskrise dieses Faches zur vollen Zufriedenheit lösen, das Fach in der Universität sinnvoll integrieren und es überhaupt zu einer gesellschaftlich nützlichen wissenschaftlichen Institution werden lassen wird.
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