Wenn man verschiedene Menschen, die das Wort Philosophie in den Mund nehmen, fragt, was Philosophie sei, erhält man eine bunte Vielfalt von Antworten. Vom Mitglied einer pseudophilosophischen Sekte bis zum christlich-dogmatischen Leser Aristoteles über den Genießer weltanschaulicher Literatur, den in der analytischen Literatur verfangenen Philosophieprofessor oder den einfachen Menschen, der sich Gedanken über Gott und die Welt macht, sie alle gehen oberflächlich gesehen ganz andere Tätigkeiten nach und glauben, jeweils etwas ganz anderes zu machen. Wenn man von der Verschiedenheit der Absichten und Selbsteinschätzungen absieht, und sich darauf konzentriert, festzustellen, was diese Leute eigentlich machen, dann kommt man zur Einsicht:
Philosophie ist die persönliche Auseinandersetzung mit Ideen zum Zwecke der Einsicht.
Es geht um Ideen, das heißt, um Vorstellungen, und zwar um welche, mit denen man zu verstehen, sich zu orientieren, versucht. Es geht um die persönliche Auseinandersetzung mit diesen Ideen. Man liest, oder hört, man ruht und denkt nach. Es handelt sich um eine Tätigkeit, die man grundsätzlich nur allein betreiben kann. Miteinander können wir das nicht direkt betreiben, aber fördern, indem wir einen angemessenen Raum dafür schaffen.
In der Gesellschaft sollte diese Definition von Philosophie konsequent eingesetzt werden, weil sie Klarheit schafft und Ordnung bringen kann in der Öffentlichkeit, der Schule und der Universität. Sich auf einen inhaltlichen (philosophischen) Philosophiebegriff zu einigen, ist nicht nur unmöglich, sondern auch nicht wünschenswert, weil dies eine geistige Verarmung darstellen würde. Der hier vorgeschlagene formale Philosophiebegriff hingegen könnte meines Erachtens einheitlich in der Gesellschaft angenommen und eingesetzt werden. Jeder Einzelne darf Philosophie frei betreiben, und unter diesem Namen das tun — auch in der Öffentlichkeit –, was er für richtig hält. Die gesellschaftlichen Strukturen, darunter Schule und Universität, sollen sich aber nicht an bestimmten philosophischen Ansätzen binden, sondern allein den Raum für die Ideenentwicklung und den Ideenaustausch schaffen, den Raum, in dem jeder seinem eigenen Weg nachgehen kann.
Siehe auch: Keine philosophische Wissenschaft.
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