Wolfgang Neundorf setzt sich in der Website Die Physik in der Sackgasse? kritisch mit der Physik auseinander. In der Zwischenbilanz drückt er ein Unbehagen aus: die Autorität soll schon wieder in der Physik herrschen, die Wissenschaft soll zu reiner Glaubenssache verkommen, die Aufklärung vernichtet worden sein. Es ist offensichtlich, dass der Autor sich viel mehr als ich in der Physik auskennt und damit beschäftigt hat und kennt deshalb wohl auch die gegenwärtigen Physiker viel besser. Warum spricht er da vom “Glauben” im überlieferten Wissen? Ich kann mir gut vorstellen, dass hier die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber den wissenschaftlichen Institutionen ausgedrückt wird, dass jeder Physiker die Lehrmeinung kritiklos annimmt, unter dem Motto: Es muss ja wohl stimmen, da so viele Kollegen, Fachpublikationen, Kongresse, etc. darin übereinstimmen. Wie weit das den Gang der Physik im Ganzen bestimmt, kann ich selbst nicht beurteilen.
Aus dem Herzen spricht mir der Autor, wenn er bemängelt, dass Immanuel Kants Theorie (die der Autor Wissenschatswissenschaft nennt) nicht in die Wissenschaft eingegangen ist. Jawohl, die Wissenschaft hat von all dem kein Wort vernommen, es ist ihr nicht anzumerken, dass es einen Kant (um nur einen großen philosophischen Namen zu nennen) gegeben hat; ihr fehlt überhaupt absolut an tiefgründigen Theorien. Die Einzelwissenschaften beschäftigen sich jeweils nur mit einem peripherischen Bereich von allem, und es gibt sonst nichts in der Wissenschaft, das nicht innerhalb einer bestimmten Einzelwissenschaft gemacht worden wäre. Die Erkenntistheorie findet einfach deshalb keinen Platz in der Wissenschaft, weil sie zu keiner “Einzelwissenschaft” passt. Naturgemäß sollte sie eine Schicht unter allen Einzelwissenschaften bilden.
Ich fühle mit dem Autor mit, wenn es ihm an Denken in der heutigen Wissenschaft fehlt. Mir auch. Er kann sich damit nicht abfinden, dass die Pysik einfach nicht zu verstehen ist, ihm graut es, dass die Physiker sich daran gewöhnt haben und nicht mehr nach dem Sinn suchen, sondern sich mit der bloßen mathematischen Formulierung begnügen. Da ist der Autor wohl einer der letzten Europäer, einer der noch die Welt zu verstehen sucht.
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