Ein Text ist ein symbolischer Ausdruck, der aus bestimmten Symbolen besteht und diese in einem artikulierten Ganzen integriert. Einen Text als solchen zu verstehen, bedeutet, die Symbole zu erkennen und das Beziehungsgeflecht zu erfassen.
Der Text wird so weit wir wissen nur von Menschen als solcher verstanden und zum Zwecke dieses Verstehens hervorgebracht. Beim Sprechen oder Schreiben gestaltet man die Materie so, dass andere durch Erkennen der Ordnung in den Lauten bzw. den Schriftzeichen wieder den Text erfassen. Der Text kommt aber als solcher auch ohne menschliches Tun in der Welt vor. Zum Beispiel ist die genetische Information in den Lebewesen ein Text: Mit den Symbolen A, G, T und C werden Texte gebaut, die biologisch symbolisch (in der DNA-Replikation, der Transkription, etc.), nicht analogisch wirken.
Den Text können die Menschen in Realität aufbauenden Modus einsetzen: Man kann in den Sachen eine Ordnung herausfinden und sie textmäßig zum Ausdruck bringen. Warum solche Texte überhaupt stabil wirken, warum sie von verschiedenen Menschen als zutreffend anerkannt werden können, ist ein Rätsel. Die Frage läuft darauf hinaus: Wieso ist die Welt verstehbar? Tatsache ist, wir haben offensichtlich mit Text einen gewissen Erfolg beim Verständnis der Welt.
Wenn Galilei der Natur eine mathematische Formel errungen hat, dann hat er etwas Wahres über die Realität herausgefunden. Die Materie befolgt nicht erst seit Galilei bestimmte Gesetze, nur Galilei hat als erster diese Gesetze ausformuliert und seitdem wissen die Menschen, dass diese Gesetze zur physischen Welt gehören. Die Gesetze Galileis sind ein Text, kein sprachlicher Ausdruck. Diese Gesetze lassen sich in vielen natürlichen Sprachen ausdrucken, auf Italienisch, Lateinisch, Tibetisch, Japanisch, etc.. Dabei entstehen nicht jeweils andere Gesetze, sondern immer dieselben, die man am deutlichsten und genauesten in mathematischer Notation aufzeichnet.
Was ist der Text in einem sprachlichen Audruck? Das, was die grammatikalische Analyse des Ausdruckes ausmacht. Die Symbole sind die Laute bzw. Schriftzeichen, diese werden gruppiert, um zuerst morphologische, dann syntaktische Einheiten darzustellen. Die in einem sprachlichen Ausdruck vorhandenen Symbole zusammen mit deren Artikulation bilden den Text. Wenn man die Spezifizierung der Galileischen Gesetze in Deutsch, Chinesich und Mathematischer Sprache vergleicht, kommt man zu drei verschiedenen Texten. Auffällig ist hier: Die Syntaxanalyse des deutschen und des chinesischen Ausdrucks bringt ganz verschiedene Textstrukturen hervor, die mit dem physikalischen Gesetzt jeweils keine Ähnlichkeit haben. Die Analyse des mathematischen Ausdrucks legt hingegen wiederum das Gesetz frei. Das verdeutlicht das charakteristische Merkmal der Formalsprachen: Der textmäßige Inhalt eines formalsprachlichen Ausdrucks stimmt mit dem intendierten semantischen Inhalt überein. Auf Deutsch oder Chinesisch bauen wir einen Text, der erst richtig ausgelegt werden muss, um zu einem anderen Text, der die Realität abbildet, zu kommen. In einer Formalsprache hingegen wird der Realität abbildende Text selbst gebaut.
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