Was kann der Mensch? Jeder Mensch hat jederzeit Erlebnisse, er fühlt, ahnt, erinnert sich, beobachtet, etc. Das ist unbezweifelbar, aber: ist das alles? Wohnt jeder von uns in seiner eigenen Welt eingeschlossen? Zu unserer Erfahrung gehört die Idee der Wirklichkeit, eines Raums der mit anderen geteilten Existenz. Dieses ist zunächst unsere Überzeugung, oder unser Glaube, oder unsere Unterstellung. In meinen Erlebnissen lässt sich zwischen mir und der Welt unterscheiden. Bei näherem Hinsehen stellt sich jedoch die Welt nicht als eine eigenständige Realität, sondern als meine Wahrnehmung derer heraus. Was ist wirklich? Das steht für uns nicht ein für allemal fest, denn wir sind mangelhaft informiert, wir irren und täuschen uns, und mit den (persönlichen wie historischen) Lebensjahren meinen wir, alte Irrtümer und Vorurteile überwunden zu haben und die Realität immer besser zu kennen. Die Anschauung bringt grundsätzlich eine Sichtweise hervor, nie die Wirklichkeit selbst. Außerdem ist die Anschauung immer Subjekt-bezogen. Die einzige Stütze, die unsere Erlebnisse der Wirklichkeit bieten, ist die Erfahrung des Sprechens. Weil einer von uns spricht, und sagt “da ist ein Baum”, und der andere von uns dieses hört und dem zu sagt, deshalb können wir unsere Auffassung von Wirklichkeit aufbauen. Doch was teilen wir miteinander, wenn wir beide den Satz “da ist ein Baum” zustimmen? Nicht das Erlebnis teilen wir, auch nicht bestimmte Aspekte der Wirklichkeitsauffassung, sondern im Grunde eine textuelle Struktur: ist ( (Baum (ein)), da ). Dass es um diese 4 morphosyntaktischen Elemente geht, und dass sie diese hierarchische Anordnung aufweisen, das ist es, was du und ich teilen. Und zwar teilen wir es genau, nicht “analogisch”, nicht “ungefähr”, sondern wir haben beide exact dieselbe Struktur, denselben Text, erfasst. Texte sind alles, was wir miteinander teilen, sie sind das einzige, was wir streng genommen gemeinsam haben. Der Text ist die einzige mögliche Grundlage dessen, was wir die Wirklichkeit nennen.
Siehe auch: Wirklichkeit: Materie, Text, Idee.
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