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Ted Nelson und die festen Strukturen

In der Vorlesung “Intertwingularity. When Ideas Collide” breitet Ted Nelson das Blickfeld aus und überlegt nicht nur über die Computer, sondern über ganz anderen Themen. In dieser Vorlesung widmet er eine besondere Aufmerksamkeit dem Hochschulmodel. Seine Kritik gilt den festen Strukturen, die den Studenten die Freiheit nehmen, und setzt den Schwerpunkt in der Initiative des einzelnen Studenten. Es sollte keine vorgefertigte Bildungsbahnen, die über Jahre hinweg den Stundenplan vollständig bestimmen, geben. Die Universität sollte ein Bildungsmarkt werden, an dem jeder sich für bestimmte Angebote entscheidet, die ihm besonders ansprechen oder vielversprechend erscheinen, über Fachdisziplinen hinweg und ohne einschränkende Voraussetzungen.

Der Zuhörer, der seit langem mit Nelson vertraut ist, wird von dieser Hochschulkritik trotz Neuigkeit des Themas überhaupt nicht überrascht. Nelson hat sich schon immer als Generalisten angesehen und hat sich nicht in Fachgrenzen sperren lassen. Schon als 14-Jähriger soll er sich als “Nexisten” charakterisiert haben, ein einem Science-Fiction-Roman entnommenes Wort, das denjenigen bezeichnet, der Verbindungen (Nexus) zwischen den Dingen ausmacht. Außerdem erkennt man an der neuen Kritik denselben Geist und dieselbe Intuition, die Nelson immer bewegt haben, wieder. Der Kern seiner Hochschulkritik ist derselbe seiner Informatikkritik. Er kritisiert starre Textformen, die in den aktuellen Informatik und Hochschulwesen vorherrschen.

Ich bin mit seiner Kritik völlig einverstanden, und doch nicht. Mir kommt sein Ansatz als unausgeglichen vor, er kümmert sich zurecht um die kreativen Möglichkeiten des Einzelnen, übersieht aber den sozialen Nutzen, ja die Notwendigkeit der Infrastrukturen. So stimme ich seine Kritik der hierarchischen Dateisystemen zu, halte aber nichts davon, auf die Hierarchie zu verzichten, sondern strebe ich Namenssysteme an, die die Hierarchie nicht nötig haben, die aber eine mehrfache hierarchische Kategorisierung ermöglichen. So stimme ich auch seine Kritik des allzu starren Hochschulsystems zu, doch meine Sorge beschränkt sich nicht auf die Entwicklung des Einzelnen, so wichtig sie auch wirklich ist, sondern bezieht auch die Rolle der Hochschulen in der Gesellschaft und der Wissenschaft mitein. Ted Nelson kämpft gegen die festen Strukturen. Ich träume hingegen von noch festeren, aber flexibleren Strukturen. Mir geht es nicht nur um die Gestaltungsmöglichkeiten des Individuums, sondern auch um die einer Gesellschaft.

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