Auf dem Begriff des Paradigmen basierend lässt sich keine theoretisch saubere, feste Wissenschaftstheorie aufbauen. Dieser Begriff widersetzt sich jeder Spezifikation und muss immer ungenau, abstrakt, schwankend bleiben. Der Fehlgriff Kuhns war hier, sich auf das zu verlassen, was der Wissenschaftler “denkt”. Zweifellos gibt es eine gewisse Trägkeit in der Mentalität und den Erwartungen, das ist aber nicht das Grundphänomen, sondern eine soziologische Erscheinung in Phasen der Wissenschaftsgeschichte. Die meines Erachtens richtige Auffassung betrachtet die Vorstellungen der Wissenschaftler als etwas, das nicht zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen gehört. Aus den Theorien ergeben sich keine Vorstellungen, und die Theorien können grundsätzlich keine Vorstellungen bestätigen. Die Wissenschaft soll sich auf die ausformulierten Theorien konzentrieren, diese gegen die Wirklichkeit prüfen und miteinander stützen. Die wissenschaftliche Diskussion soll jede Ideendiskussion vermeiden und sich auf die Sätze der Theorien beschränken. In einer so gearteten, ideenfreien Wissenschaft wird es zwar immer noch Paradigmenwechsel von einzelnen Wissenschaftlern geben müssen, dieses wird aber ein soziologisches Randphänomen bleiben und den Gang der Wissenschaft selbst nicht bestimmen.
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