Die gegenwärtige Wissenschaft hat große Schwierigkeiten, neue Ideen aufzunehmen. Neue Ansätze können nicht innerhalb der Wissenschaft wachsen, sondern sie werden vergessen, oder nur anekdotenhaft wahrgenommen, oder aber werden sie mit der Zeit zu eigenständigen Schulen mit Eigendynamik. Was ist beispielsweise aus dem Strukturalismus geworden? Die Entdeckung, dass nur die Struktur wissenschaftlich zu erfassen ist, im Gegensatz zu irgend welchem gedachten “Inhalt”, ist grundsätzlicher Natur und betrifft alle Wissenschaftszweige, nicht nur einige am Rande. Und anstatt dessen, diese gute Intuition in die Wissenschaft zu integrieren, ist daraus ein Ismus in wenigen Disziplinen geworden, der am Ende auch noch zu bloßer Mode verkommen ist. Das Richtige an dem Ansatz ist also für die Wissenschaft verlorengegangen, ohne sie befruchtet zu haben. Das geschieht mit allen innovativen Bewegungen. Sehen wir den Fall der Phänomenologie. Die phänomenologische Methodologie liefert die mit Abstand beste Grundlage für die Wissenschaft, über die wir gegenwärtig verfügen, ihre radikalen und theoretisch sauberen Mitteln würden einen Schritt nach vorne bedeuten, wenn sie generell angewendet wären. Und was haben wir heute, nach 80 Jahren Entwicklung, davon? Heute gibt es unter dem Namen der Phänomenologie eine rege Aktivität, es gibt Kongresse und Publikationen, viele Wissenschaftler finden sich unter deren Namen gut aufgehoben — und doch ist die Phänomenologie nichts als eine Schulrichtung neben anderen, die sich eigentlich nur mit sich selbst beschäftigt, statt die Wissenschaft überhaupt zu befruchten. Die physikalische Theorie bleibt so unphänomenologisch (d. h. so blind, so voreingenommen, was das Wesen der Realität betrifft) wie sie vor einhundert Jahren war.
Diesem trostlosen Bild der gegenwärtigen Wissenschaft, die aus mangelnder Integrationsfähigkeit sich nur vermehrt, ohne zu wachsen, ist durch das Organon ein Ende zu bereiten. Wenn man über ein materielles, formales und einheitliches wissenschaftliches Korpus verfügt, bleibt die Grundlagendiskussion nicht wie heute dem bloßen Kampf der Ideen ausgeliefert und die neuen Ansätze können sich in strukturellen Änderungen des Korpus auswirken. Alles wird genutzt, ohne in den Dramatismus der ideologischen Diskussionen, die schlussendlich nur jegliche Innovation zerreden, zu verfallen.
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