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Was ist ein Symbol?

Wie einst Augustinus mit dem Zeitbegriff erging es mir mit dem Begriff des Symbols. Ich dachte, mir wäre es klar und deutlich, bis ich versucht habe, es zu definieren. Meine bisherige Lieblingsformel “Symbol ist die Einheit der Mannigfaltigkeit” (angelehnt an bzw. angeregt von Kant, der sich wiederum an Aristoteles bezieht) geht zwar in der richtigen Richtung, ihr fehlt aber der Knackpunkt, nämlich dass das Symbol der textmäßige Gegenstand ist, mit dem man eine bestimmte Einheit der Mannigfaltigkeit benennt. Deshalb scheint eine Definition von Symbol, die nicht auf dem Textbegriff basiert, nicht machbar zu sein. Auf der anderen Seite definiert man den Text am einfachsten dadurch, dass man von Symbolen ausgeht. Die Einheit der Mannigfaltigkeit allein ist bloßes Verstehen, das erfahren die Hunde und die Elefanten bestimmt auch. Der Hund kann wohl sein Herrchen erkennen, und zwar hie und da, heute und vor zwei Jahren, mit dieser und jener Kleidung. Was dem Hund fehlt, ist die Fähigkeit, mit einem Wort wie “Herrchen” zu hantieren, um es zum Beispiel als Bezeichnung für das Herrchen eines anderen Hundes anzuwenden oder um über alle Herrchen überhaupt etwas zu behaupten. Das Symbolische im Verstehen entsteht, wenn man etwas als Abbildung von einem Zeichen versteht. Die Vernunft ist nicht dem bloßen Verstehen gleichzusetzen. Verstehen ist, etwas zu erfassen. Das Vernünftige besteht in drei Momenten, die zeitgleich operieren: 1. das Erfassen eines Gegenstandes, 2. das Erfassen eines davon unabhängigen Textes, 3. das Erfassen des Gegenstandes als Abbildung des Textes, wobei hier “als” im Sinne vom hermeneutischen Als bei Heidegger (s. Sein und Zeit) zu verstehen ist.

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