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Ideenfreie Wissenschaft

Die ideenfreie Wissenschaft ist ein Desiderat, für das seit Jahrhunderten viele Köpfe geschwärmt haben. Das Inkonsistente an all diesen Versuchen bisher war, dass man immer jeweils für eine bestimme Wissenschaftsauffassung plädiert hat. Man hat insofern eigentlich nicht eine Wissenschaft ohne Ideen machen wollen, sondern eine Wissenschaft, die auf eine bestimmte Idee basiert. Das ist aber keine ideenfreie, sondern eine ideenarme Wissenschaft!

Eine ganz andere Bewandtnis hat es mit dem hiesigen Organon. Wenn wir für ein Organon und überhaupt für eine neuartige Wissenschaft plädieren, wollen wir nicht irgendwelche neue Wissenschaftsauffassung zum Ausdruck bringen, sondern eine neue Art der wissenschaftlichen Arbeit durchsetzen. Wie man die Arbeit selbst auffasst, ist jedermanns Sache und etwas, das keiner Einigung bedarf, für das sogar Vielfalt wünschenswert ist, weil sie einen Reichtum darstellt. Uns geht es darum: die Ideen endgültig außerhalb der Wissenschaft zu positionieren.

Zu einer richtig ideenfreien Wissenschaft zu kommen, ist eigentlich ganz einfach, wenn man auf den hiesigen Begriffen von Text und Idee basiert und sie konsequent durchgehend anwendet. Man braucht nur, in der Wissenschaft sich ausschließlich mit dem Text zu beschäftigen und die Ideen außen vor zu lassen. Man soll sich einfach darum bemühen, die Realität mit Sätzen zu beschreiben, die Sätze für alle nachvollziehbar auszuformulieren, die Behauptungen von allen Seiten bestätigen zu lassen, ferner alle Aussagen in einem konsistenten System, dem wissenschaftlichen Korpus, zu integrieren. Man soll sich allein an das wissenschaftliche Korpus konzentrieren und dieses von allen Seiten her und unter allen möglichen Gesichtspunkten pflegen. Damit wird man eine grundsätzlich ideenfreie Wissenschaft betreiben, ohne eine doch ideenreiche auszuschließen.

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