Im Gegensatz zu den Eliten im Mittelalter und bis zum 18. Jahrhundert zeichnen sich die gegenwärtigen Eliten dadurch aus, dass das Wissen des Einzelnen extrem asymetrisch ist. Während das Volk viel besser informiert ist als früher, stehen die Eliten schlechter da: Jeder kennt sich nur in seiner Sache aus, vom Rest hat er keine Ahnung. So sind wir nicht nur umgeben, sondern geleitet von: dem Jurist, der keine Ahnung von Informatik hat, dem Philosophieprofessor, der keine Ahnung von Recht hat, dem Politiker, der von der Geschichte nichts kennt, dem Physchologieprofessor, dem die gebildete Literatur fremd ist, dem Schriftsteller, der von Wissenschaft keine Ahnung hat, usw. Sicherlich sollte sich nicht jeder mit allem befassen, aber eine Ahnung sollte jeder von allem schon haben. Das Problem ist nicht, dass man die Einzelheiten nicht kennt, sondern, dass man sich in fremdem Gebiet überhaupt nicht orientieren kann, dass man davon absolut nichts versteht. Die Tatsache, dass die gegenwärtige Elite als Ganzes genommen keine Orientierungspunkte teilt, hat zur Folge, dass die Gesellschaft überhaupt heute — im Gegensatz zu den bisherigen Jahrhunderten — kopflos da steht.
Dieses ist keine unausbleibliche Folge der Zunahme an Wissen, sondern eine Folge der mangelnden Integration des vorhandenen Wissens. Wenn einmal das Organon alles Wissen in einem zusammenhängenden Ganzen gesammelt hat, wird man sich von allem informieren können, ohne sich in Einzelheiten zu verlieren. Man wird sich gut orientieren können, und zwar unabhängig davon, wie groß der Umfang des gesamten Wissens ist. Denn da wo Struktur ist, kann das Ganze ohne Verlust der eigenen Form weiter wachsen.
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