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Das textorientierte Paradigma

Das textorientierte Paradigma ist die Auffassung von Software, die sich ergibt, wenn man einsieht, dass der Quellcode Text ist. Der Schritt nach vorne tut man, wenn man den Quellcode nicht als Implementierung, sondern als Spezifikation ansieht. Bisher hat man die Programmiersprachen nur als Implementationssprachen gedacht. Die Listen werden in LISP immer gleich implementiert, die Objekte werden in Smalltalk immer gleich implementiert. So hat man dann die Sprachen LISP und Smalltalk immer nur unter dem Aspekt dieser Implementierung gesehen. Der textorientierte Ansatz hingegen definiert nicht irgendwelche neue Implementations-Struktur (wie Funktion, Liste, Objekt), sondern eine neue Spezifikations-Struktur: den Text. Der Quellcode spezifiziert Symbole anhand anderer Symbole, und zwar in der Form eines Textes (s. Allgemeine Definition des Textes). Der Compiler ist in der Lage, den Quelltext in einen anderen Text (die ausführbare Binärdatei) zu übersetzen. Zum Beispiel könnte im Quelltext etwas wie “f : Funktion” stehen, die f als eine Funktion deklariert. Das ist aber für einen textorientierten Compiler kein Implementierungs-Hinweis, sondern ein rein lexikalischer: Hier führt man ein Symbol ein, mit dem Namen “f” und dem Typ “Funktion”, das wiederum der Name eines anderen Symbols ist. Wie der Compiler diese Funktion zu implementieren hat, ist der Definition von “Funktion” zu entnehmen. Aber diese Definition verfügt über den ganzen zu übersetzenden Quellcode als Text und kann ihn abfragen, um die Implementierung zu bestimmen, und so ergibt sie beispielsweise je nach dem eine in-line-Implementierung, oder eine mit Stapel- oder Register-Parametern, einen DLL- oder Webdienst-Aufruf, oder gar die Aufforderung einer Benutzer-Eingabe. Die Textorientierung entsteht, wenn man den Blick an den Text richtet und erst einmal bei dem Text bleibt, ohne ihn sofort unbedingt auch zu interpretieren.

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