Dass die Verwirrung in unserer Zeit keine Grenze mehr kennt, sieht man daran, mit welcher Kurzsichtigkeit wir das Modewort ganzheitlich einsetzen. Wir merken irgendwie unsere eigene Kleinmütigkeit und würden sie gern überholen, da fällt uns aber nichts besseres ein als unsere beschränkte Ansätze mit diesem Wort zu verzieren. Für einen gebildeten Europäer des siebzehnten oder achtzehnten Jahrhunderts müsste es sich wie ein schlechter Witz anhören, dass wir unsere ganzheitliche Zahnheilkunde oder Pferdemedizin oder unsere ganzheitliche Betriebwirtschaftslehre stolz lobpreisen. Dass dieses Wort eigentlich das Ganze meint, also alles, das kommt uns heute gar nicht in den Sinn. Denn dass alles als eins angesehen werden könnte, das übersteigt von weitem unsere wildeste Vorstellungskraft. So weit haben wir es verlernt, die Einheit in den Dingen herauszufinden, das heißt, zu verstehen.
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