Ständig neue Berufsbezeichnungen einführen, neue Fachbereiche in Universitäten gründen, neue Wirtschaftszweige etablieren, immer trennen, trennen, trennen, der kleinste Bereich in noch kleinere Bereiche aufteilen, das können wir gut. Nur: wenn es darum geht, die Einheit wiederherzustellen, das Ganze zu überblicken, die Konsistenz zu gewährleisten, da sind wir völlige Nieten. Im 19. und noch mehr im 20. Jahrhundert haben wir gewaltige Schritten in analytischer Richtung getan. Die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts besteht darin, auch gewaltige Schritten in synthetischer Richtung zu vollziehen.
Das brauchen wir dringend für die Politik, denn unserem globalen Dorf geht es wie den mittelalterlichen Städten: Sie sind menschenfeindliches Gebiet mit zu viel Lärm und zu viel Gestank. Wir brauchen Kloaken und Straßen, wir brauchen eine allgemeine, gut geplante, robuste Infrastruktur, die das Zusammenleben in größerem Maßstab ermöglicht. Auch brauchen wir das dringend für die Wissenschaft, die sich völlig verzettelt hat und nicht mehr in der Lage ist, mit sich selbst klar zu kommen. Das brauchen wir Europäer außerdem noch dringend für unsere Kultur, um die Errungenschaften der Aufklärung, den Willen zur Bildung und zum geistigen Reichtum, noch zu retten und weiter zu vertiefen.
Siehe auch: Überfordert, Ich will das Organon, und ich will es jetzt!.
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