Es kann doch nicht so schwer sein, den gordischen Knoten der akademischen Philosophie zu lösen. Die philosophische Fakultät gleicht einem, der mit gebundenen Beinen zu gehen versuchte. Die Gretschenfrage: Ist dieser Betrieb nun ein wissenschaftlicher? Lautet die Antwort: Ja, so bitteschön das Untersuchungsfeld bestimmen und alle Teilnehmer zusammenarbeiten. Lautet die Antwort: Nein, so bitteschön auf den Namen der Wissenschaft ausdrücklich, unzweideutig verzichten und den angemessenen Rahmen für die Tätigkeit entstehen lassen. Was keineswegs weiter geht, ist der aktuelle Zustand. Man ist seit mindestens einhundert Jahren nicht in der Lage, auf Wissenschaftlichkeit zu verzichten, aber auch nicht imstande, eine Wissenschaft aufzubauen. Es ist schon lächerlich, dass eine Disziplin, die die höchsten Ansprüchen über Alles erhebt, nicht einmal in der Lage ist, sich selbst zu organisieren. Die philosophische Fakultät steht heute als Überbleibsel der mittelalterlichen Epoche da, ohne sich auf die aktuellen, ganz anderen wissenschaftlichen Umstände angepasst zu haben. Denn neben einer Theologischen, einer Medizinischen und einer Juristischen Fakultät hatte im Mittelalter eine Philosophische Fakultät als wissenschaftliche Fakultät überhaupt durchaus einen Sinn. Aber neben den vielen natur- und geisteswissenschaftlichen Fakultäten, die es heute gibt, ist es auf Anhieb überhaupt nicht ersichtlich, was für eine Rolle eine philosophische Fakultät spielen soll. Früher hat man in der philosophischen Fakultät alle Wissenschaften gepflegt — und nebenbei philosophiert. Das ist sinnvoll. Aber es ist alles anderes als sinnvoll, sich mit keiner Wissenschaft zu beschäftigen, aber trotzdem über alles philosophieren zu wollen.
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